Gotha

Schloss Friedenstein

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Forschungsbibliothek Gotha, Büchergang

Forschungsbibliothek Gotha, Büchergang

 

Mit der 1640 erfolgten ernestinischen Landesteilung wurde Gotha zur Residenzstadt des neu entstandenen Herzogtums Sachsen-Gotha. Herzog Ernst I. (1601–1675), genannt der Fromme, baute das durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstete Land und seine 1646 durch einen erneuten Stadtbrand verwüstete Residenzstadt wieder auf. Von 1643 bis 1654 ließ er auf den Ruinen der Burg Grimmenstein das Schloss Friedenstein, die größte frühbarocke Schlossanlage Deutschlands, erbauen. Seit 1647 beherbergt es die Herzogliche Bibliothek, die heutige Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt (FB Gotha). Diese ist eine der bedeutendsten historischen Bibliotheken Deutschlands und nimmt aufgrund ihres einmaligen Bestandes an Handschriften, Alten Drucken, Korrespondenzen, Tagebüchern und Nachlässen bedeutender Reformatoren den Rang einer Referenzsammlung für die Geschichte des mitteldeutschen Protestantismus vom 16. bis 18. Jahrhundert ein. Mit seinen herausragenden handschriftlichen und gedruckten Quellen zur Geschichte der deutschen Sprache, zur Literatur- und Theatergeschichte und zur Bildungsgeschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts begegnen sich im Bestand der FB Gotha drei wesentliche Aspekte der deutschen Sprachgeschichte:

 

 

Sprache und Religion (Protestantismus): 16. Jahrhundert

Den Kern der reformationsgeschichtlichen Sammlung der FB Gotha bilden die etwa 1.100 Briefe Martin Luthers, die im Original oder in zeitgenössischen Abschriften überliefert sind und etwa ein Viertel aller überlieferten Briefe Luthers ausmachen. Hinzu kommen weitere Schriften sowie Manuskripte Luthers, davon viele in deutscher Sprache, die deutlich machen, wie sehr der Reformator diese prägte. Das Druckmanuskript zur Übersetzung des Propheten Jeremia von 1530 beispielsweise zeigt, dass Luther häufig nicht nur eine reine Übersetzungsleistung erbrachte, sondern durch das Schaffen eigenwilliger Ausdrücke, poetischer Bilder und neuer Wortspiele auch zur sprachlichen Bereicherung beitrug. Ihm verdanken wir Worte wie „fewreyffer“ und „lestermaul“ sowie Metaphern wie „Perlen vor die Säue werfen“ und „ein Buch mit sieben Siegeln“.

Die FB Gotha verwahrt darüber hinaus auch den Teilnachlass des Luther-Unterstützers Georg Spalatin, der ab 1510 im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Friedrichs des Weisen (1463–1525) eine sächsische Chronik in deutscher Sprache verfasste und damit auch zu einem frühen Chronisten Thüringens wurde, sowie Originalbriefe und deren zeitgenössische Abschriften von Friedrich Myconius (1490–1546), der mit seiner in Deutsch verfassten „Geschichte der Reformation“ wesentlich zur Protestantischen Erinnerungskultur beigetragen hat.

 

Martin Luther. Druckmanuskript zur Übersetzung des Propheten Jeremia

Martin Luther. Druckmanuskript zur Übersetzung des Propheten Jeremia, 1530.

FBG, Chart. B 142, Bl. 6r.

 


Sprache und Bildung: 17. Jahrhundert

Neben zahlreichen deutschsprachigen Schulbüchern und der Schulbibliothek des ehemaligen Gymnasium Illustre in Gotha, des heutigen Gymnasium Ernestinum, – eines der ältesten Gymnasien Thüringens – bewahrt die Forschungsbibliothek auch die Nachlässe von Bildungstheoretikern und -praktikern: Mit den Schriften der Pädagogen Wolfgang Ratke (1571–1635) und Andreas Reyher (1601–1673) verfügt die Forschungsbibliothek dabei über den Nachlass zweier sehr bedeutender Schulreformer Deutschlands. Ratke setzte sich vehement für einen Unterricht in deutscher Sprache ein und entwickelte eine vollkommen neue Lehrart. Reyher wurde 1641 Rektor des Gothaer Gymnasiums. Er war Berater Herzog Ernst des Frommen und erhielt den Auftrag, das Schulwesen im Herzogtum Sachsen-Gotha zu reformieren. Dabei unternahm dieses Herzogtum große Anstrengungen, die allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen, wie sie seit dem frühen 16. Jahrhundert immer wieder gefordert wurde, auch tatsächlich in die Praxis umzusetzen. Reyher verfasste Lehrpläne, Lehrbücher und Anleitungen für den Unterricht in Rechnen, Realien, Musik und natürlich der deutschen Sprache. Die verschiedenen Fassungen seines „Schulmethodus“ sind als bedeutende Stücke lokalen Schrifttums mit überregionaler Wirkung einmalig und nur in der Forschungsbibliothek Gotha vorhanden.

 

Andreas Reyher. Schulmethodus, 1642. FBG, Gym. 9, Bl. 407r.

Andreas Reyher. Schulmethodus, 1642. FBG, Gym. 9, Bl. 407r.

 

 

Sprache und Kunst: 18. Jahrhundert

Im Schloss Friedenstein befindet sich ein Barock-Theater mit der ältesten, noch im Original erhaltener Bühnentechnik aus dem Jahr 1681: Das Ekhof-Theater ist nach dem „Vater der deutschen Schauspielkunst“, Conrad Ekhof (1720–1778), benannt, der 1774 mit der Seylerschen Schauspiel-Gesellschaft an den Gothaer Hof kam. Als ihr Gründer Abel Seyler Gotha wieder verließ, gründete Herzog Ernst II. zusammen mit Ekhof das erste deutsche Hoftheater mit fest angestellten Schauspielern. Bis zu seinem Tod, drei Jahre später, machte sich Ekhof von Gotha aus als Schauspieldirektor um das deutsche Theater verdient und die Residenzstadt zum Zentrum des deutschen Theaters. Noch heute wird zu ausgewählten Anlässen die erhaltene Bühnenkonstruktion des Ekhof-Theaters in Bewegung gesetzt und gezeigt, wie Ekhof und seine Truppe auf diesen Brettern einst Sprache zum Leben erweckten. In der FB Gotha befindet sich zudem ein bedeutender Bestand an deutscher Theaterliteratur, darunter auch ein Teil der persönlichen Sammlungen Conrad Ekhofs, wie zum Beispiel seine Übersetzung des Lustspiels „Le Philosophe Marié Ou Le Mari Honteux De L'Être“ (Der verehlichte Philosoph, oder der Mann, der sich schämte, einer zu sein) von Néricault Destouches in die deutsche Sprache. Mehr Informationen zum Ekhof-Theater unter: http://www.stiftungfriedenstein.de/ekhof-theater

 

Conrad Ekhof. Taegliches Verzeichniß der Schauspiele, welche auf dem Weimarischen und Gothaischen Hof-Theatern aufgefuehret worden, 1778. Chart-A-01287_Titelblatt

Conrad Ekhof. Taegliches Verzeichniß der Schauspiele, welche auf dem

Weimarischen und Gothaischen Hof-Theatern aufgefuehret worden, 1778.

Chart-A-01287_Titelblatt.

 

 


Öffnungszeiten

 

Forschungsbibliothek Gotha
Montag bis Freitag
9–20 Uhr
Sonnabend
9–13 Uhr

 

Servicezeiten der Ausleihtheke und des Sonderlesesaals:
Montag bis Freitag
9–18 Uhr

 

Kostenlose Führungen durch die Schauräume der Forschungsbibliothek Gotha finden von April bis September immer mittwochs um 15 Uhr statt. Treffpunkt ist die Ausleihtheke.

 

Museen im Schloss Friedenstein
(Schlossmuseum, Historisches Museum, Museum der Natur, Ekhof-Theater)
Dienstag bis Sonntag
(montags geschlossen, jedoch an Feiertagen geöffnet)
10–17 Uhr
(November bis März: 10–16 Uhr)

 

Herzogliches Museum
Montag bis Sonntag
10–17 Uhr
(November bis März: 10–16 Uhr)


Aktuelle Meldungen

Zwei Schriften aus Gotha zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erklärt

(12.10.2015)

Große Freude bei der Universität Erfurt: Die UNESCO hat im Rahmen ihres Programms Memory of the World (MOW) zwei Schriften aus der Forschungsbibliothek Gotha zum Weltdokumentenerbe erklärt. Bei den beiden Dokumenten handelt es sich um die arabische Handschrift al-Masalik wa al-mamalik des islamischen Gelehrten al-Istakhri und um die frühe Druckschrift Von der Freyheyt eynisz Christenmenschen des Wittenberger Reformators Martin Luthers aus dem Jahre 1520. mehr